vonRedaktion International
SEPTEMBER 23, 2026
Bildquelle: Zur Verfügung gestellt
Internationale Tagung auf Burg Schlaining widmete sich anlässlich des 500. Geburtstags von Carolus Clusius der Wissenschaftsgeschichte des pannonischen Raums
Anlässlich des 500. Geburtstags des bedeutenden Botanikers Carolus Clusius standen die 45. Schlaininger Gespräche ganz im Zeichen der Wissenschaftsgeschichte. Unter dem Titel „Der pannonische Raum als wissenschaftliches Forschungsfeld“ beschäftigten sich am 22. und 23. September Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Österreich, Ungarn, Tschechien und der Slowakei auf Burg Schlaining mit der Erforschung des pannonischen Raums und seiner Bedeutung für die europäische Wissenschaftsgeschichte. „Carolus Clusius zeigt auf besondere Weise, dass das heutige Burgenland schon vor Jahrhunderten ein Ort des wissenschaftlichen Austauschs und der Forschung war. In Güssing und Schlaining fand er Bedingungen vor, unter denen Arbeiten entstanden sind, die weit über die Region hinaus Bedeutung erlangten. Diese Geschichte sichtbar zu machen und wissenschaftlich weiter aufzuarbeiten, ist ein wichtiger Beitrag zur Landeskunde“, betont Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Bereits im Rahmen des Jubiläums "100 Jahre Burgenland" wurde Clusius als eine der historischen Persönlichkeiten hervorgehoben, deren Wirken eng mit dem heutigen Burgenland verbunden ist. „Es ist uns ein Anliegen, dieses wissenschaftliche Erbe auch heute lebendig zu halten und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“
Carolus Clusius zählt zu den bedeutenden Botanikern seiner Zeit. Der niederländische Arzt und Botaniker stand zunächst im Dienst Kaiser Maximilians II. Nachdem er unter dessen Nachfolger Rudolf II. aufgrund seines protestantischen Glaubens Wien verlassen musste, verbrachte er die Jahre 1576 bis 1587 auf den Gütern des Grafen Balthasar Batthyány in Güssing und Schlaining.
Diese Jahre wurden zu einer wissenschaftlich besonders produktiven Phase. Clusius erforschte die Pflanzenwelt des pannonischen Raums und hielt seine Erkenntnisse in einem 1584 in Güssing gedruckten Werk fest. Auch mit der heimischen Pilzwelt beschäftigte er sich intensiv. Seine Forschungen auf diesem Gebiet trugen dazu bei, dass Clusius heute als einer der Wegbereiter der Mykologie, der wissenschaftlichen Pilzkunde, gilt.
Güssing und Schlaining als Orte europäischer Wissenschaftsgeschichte
Für den wissenschaftlichen Leiter der Schlaininger Gespräche, Gert Polster, bietet das Jubiläumsjahr daher einen besonderen Anlass, den Blick über die Person Clusius hinaus auf die gesamte Region zu richten: „Clusius ist ein herausragendes Beispiel dafür, welche Bedeutung der pannonische Raum für die Entwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse hatte. Seine Forschungen entstanden nicht irgendwo, sondern ganz konkret hier in unserer Region. Die Schlaininger Gespräche nehmen dieses Jubiläum zum Anlass, die lange Geschichte wissenschaftlicher Beschäftigung mit dem pannonischen Raum aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten.“
Dabei reichte der Blick der internationalen Tagung über die Botanik hinaus. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus vier Ländern beschäftigten sich mit unterschiedlichen Aspekten der Wissenschaftsgeschichte und damit, wie der pannonische Raum über Jahrhunderte beobachtet, beschrieben und erforscht wurde. Die internationale Zusammensetzung der Tagung spiegelt dabei auch einen Raum wider, dessen historische und kulturelle Entwicklung weit über heutige Staatsgrenzen hinausreicht.
45 Jahre wissenschaftlicher Austausch auf Burg Schlaining
Die Schlaininger Gespräche wurden 1982 von Prof. Rudolf Kropf ins Leben gerufen und zählen mittlerweile zu den traditionsreichen wissenschaftlichen Veranstaltungsformaten des Burgenlandes. Historische und kulturgeschichtliche Fragestellungen werden dabei bewusst aus unterschiedlichen wissenschaftlichen und regionalen Perspektiven betrachtet. „Seit mehr als vier Jahrzehnten bringen die Schlaininger Gespräche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, die sich mit der Geschichte und Kultur des burgenländisch-westpannonischen Raums beschäftigen. Gerade der grenzüberschreitende Austausch ist dabei wesentlich, weil sich die Geschichte dieser Region nicht innerhalb heutiger Grenzen erzählen lässt“, so Polster. Die 45. Schlaininger Gespräche wurden von der Landeskunde Burgenland veranstaltet. Kooperationspartner der diesjährigen Tagung war die Clusius-Gesellschaft Güssing.
Quelle: Land Burgenland